Die unendliche Reise der Aubry Tourvel | Douglas Westerbeke {Rezension}


"Magischer Realismus trifft Abenteuerroman". Durch diesen Satz hat mich die Geschichte Die unendliche Reise der Aubry Tourvel von Douglas Westerbeke, erschienen am 25. Juni 2024 (Gebundene Ausgabe) im HarperCollins Verlag, auf sich aufmerksam gemacht.


Klappentext


Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen und erkunden Sie gemeinsam mit Aubrey die Welt und das Leben. Dieses Buch ist das beste Beispiel dafür, dass Bücher jede Reise ermöglichen.

Ende des 19. Jahrhunderts: Die 10-jährige Pariserin sucht plötzlich an einem mysteriösen Leiden heim. Sie kann nie länger als drei, in Ausnahmefällen fünf Tage, an einem Ort bleiben. Bis zu ihrem Tod mit 70 Jahren bereist sie die Erde jahrzehntelang zu Fuß. Dabei erlebt Sie unendlich viele Abenteuer und trifft Menschen, die ihr sehr viel bedeuten.

Unter anderem reist sie durch die Wüste und lernt ihre erste Liebe kennen. Sie bezwingt auf mysteriöse Weise das Himalaya Gebirge. Während Ihrer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn trifft sie ihre große Liebe und verlieret sie, um sie Jahre später wiederzutreffen. Aubrey tanzt mit den Amerikanischen Ureinwohnern ums Feuer. Ihre Zeit mit dem indischen Prinzen Surasiva lehrt Aubry, dass es sich nicht lohnt über die kurze Zeit, die sie miteinander haben unglücklich zu sein, sondern die Zeit, die ihnen bleibt zu einer unvergesslichen Zeit zu machen. Marta, die Aubreys Freundin wird und sie lange auf ihrer unendlichen Reise begleitet kommt sehr nahe an Aubreys Lebensgeheimnis ran, dass schlussendlich aber doch allein von Aubrey entschlüsselt wird.

 

Rezension

Wir begleiten Ende des 19. Jahrhunderts die 10-jährige Aubry Tourvel, die plötzlich von einer mysteriösen Krankheit befallen wird. Diese sollte ihr Leben von fortan bestimmen. Aubry Tourvel  ist es nicht möglich länger als drei, in Ausnahmefällen fünf Tage, am selben Ort zu verweilen. Jeder Und so wird sie für den Rest ihres Lebens ständig in Bewegung bleiben müssen. 

Aubry Tourvel bereist in den 70 Jahren ihres Lebens die Welt, lernt dabei unglaubliche Orte & Menschen und Orte kennen & erlebt einige Abenteuer. Aber ist es das wert?

Der Plotansatz ist faszinierend und weckt Erwartungen an einen großen Abenteuerroman. Und so fällt es mir heute nicht leicht meinen Leseeindruck niederzuschreiben. Sagen wir so, zwei Herzen schlagen in meiner Brust.

Überzeugen konnte mich der Autor durch seinen wunderschönen Sprachstil, der sich insbesondere in den Beschreibungen der Protagonistin wiederspiegelt. Der Autor beschreibt Aubrey mit all ihren Facetten, denn sie hat durchaus ihre Ecken und Kanten, auf eine sehr authentische Art & Weise.

Generell ist der Schreibstil von Douglas Westerbeke sehr malerisch,. Ich hatte oft das Gefühl die Reisen & Abenteuer gemeinsam mit Aubrey zu erleben.Auch gelingt es ihm eine mystische Atmosphäre, durchsetzt mit Elementen des magischen Realismus, zu erschhaffen. 

Auf der anderen Seite kann der Sprach- & Schreibstil die Schwächen des Plots bzw. der Rahmenhandlung nicht aufwiegen. Der Leser erlebt in Die unendliche Reise der Aubry Tourvel wird eher eine rechtlose Rahmenhandlung. Der Anfang war noch sehr interessant und konnte mich durchaus Begeistern. Im Laufe der Erzählung wurde das Buch für mich aber immer langatmiger. Viele der Geschichten, die Aubreys Leben kennzeichnen, laufen nach demselben Plotmuster ab, so dass sich eine Episodenhaftigkeit einstellt.Statt einer klaren, zusammenhängenden Entwicklung hatte ich beim Lesen das Gefühl einer Fragmentierung der Geschichte und einer Aneinanderreihung von Einzelerzählungen zu folgen.

Und auch wenn  Douglas Westerbeke nicht zur Romantisierung neigt und das Werk durchaus auch mit philosophischen Fragen und ernsteren Themen wie Identität, Verlust und die Suche nach dem Sinn des Lebens aufgreift, konnte mich die Geschichte nicht komplett überzeugen. In der Zusammenschau mit den Abschweifungen in Aubreys Erzählung entstanden für mich zu viele Längen, nicht alle Handlungsstränge wurden abgeschlossen und nicht alle offenen Fragen geklärt. Und auf der anderen Seite fühlte ich mich als hetze ich, bedingt durch die mögliche Verweildauer von Aubrey an einem Ort, durch Aubreys Leben und erlebe eine Geschichte nach der anderen nach immer wieder gleichem Muster.

Selten hat mich bisher ein Buch mit einem so zwiespätigen Leseeindruck zurückgelassen. 

 

Fazit

3,5⭐️ - für die originelle Idee und den atmosphärischen Stil verdient das Buch Anerkennung. In seiner unzusammenhängenden, stellenweise unaufgelösten Umsetzung bleibt jedoch viel Potenzial ungenutzt. 

Wem würde ich dieses Buch dennoch empfehlen? Sicherlich Fans des magischen Realismus und Lesern, die episodische Abenteuerreisen à la In 80 Tagen um die Welt von Jules Verne schätzen. Lesern, die einen stringenten Handlungsbogen und einen klaren, logischen Abschluss bevorzugen, würde ich hingegen eher abraten. 

Vielen Dank an den Verlag und den Autor für das Rezensionsexemplar. 

 

Über das Buch


Titel: Die unendliche Reise der Aubry Tourvel

AutorIn: Douglas Westerbeke

ÜbersetzerIn: Alexander Weber

Verlag: Verlagsgruppe HarperCollins

Erscheinungsdatum: 25. Juni 2024 

ISBN/ASIN: ‎ 978-3365004852

Seitenzahl:
 464 (Gebundene Ausgabe)

Genre: Abenteuerroman, Coming-of-Age Roman, Magischer Realismus

 

 

Viele Grüße,

Mandy